Marktübersicht: Digitale Bridge-Kameras

Bridge-Kameras vereinigen die Vorzüge einer Spiegelreflexkamera mit den Vorteilen einer gut ausgerüsteten Kompaktkamera und bilden somit eine Brücke zwischen der Kompaktklasse und den Spiegelreflexkameras. Damit sind Bridge-Kameras Proconsumer-Modelle, die sich in der Oberklasse der Kompaktkameraklasse ansiedeln und eine interessante Alternative zu den Spiegelreflexkameras bieten. Attraktive Vertreter dieser Gattung sind die vier Kompaktkameras Finepix S9600 mit einem 9-Megapixelsensor von Fuji, die DMC-FZ50 von Panasonic, die über einen 10-Megapixelsensor verfügt, sowie die Samsung Pro 815 und die Cyber-shot DSC-R1 von Sony. Während die Pro 815 mit einem 8-Megapixelsensor arbeitet, beherbergt die DSC-R1 über einen Sensor mit der Auflösung von 10 Megapixel. Diese Bridge-Modelle stehen in direkter Konkurrenz zu den SLR-Einstiegsmodellen wie Nikon D40, Canon 350D und 400D sowie Pentax K100D, K110D oder der GX-10 von Samsung. Die SLR-Vertreter greifen auf Sensoren mit einer Auflösung von 6 bis 10 Megapixel zurück.

Vor- und Nachteile der Bridge-Kameras

Spiegelreflexkamerasysteme sind modular aufgebaut. Dass heißt, sie arbeiten im Gegensatz zu den Bridge-Kameras mit Wechselobjektiven und sind zusätzlich leicht mit Blitzgeräten und weiteren Komponenten auszustatten. Zwar ist es keine Pflicht, dass eine SLR über Wechselobjektive verfügen muss. Die nicht mehr erhältliche Olympus E-20P arbeitete beispielsweise mit einem fest montierten Objektiv. Und es spricht von der technischen Seite her gesehen theoretisch auch nichts dagegen, Kompaktkameras mit auswechselbaren Objektiven zu produzieren. Aber in der Realität statten die Hersteller die Kompaktmodelle mit fest verbauten Objektiven aus. Dadurch verfügen die Bridge-Kameras aber in der Regel über einen weitereichenden Zoombereich. Durch die feste Verbindung von Objektiv und Gehäuse tritt bei den Kompaktmodellen auch nicht die Problematik der regelmäßigen Sensorverschmutzung auf, mit der die SLRs zu kämpfen haben. Hier bauen die Kamerahersteller jetzt verstärkt Reinigungssysteme ein, auf die eine Kompaktkamera verzichten kann.

Den Vorteil, dass Bridge-Kameras leichter und handlicher als die Spiegelreflexkameras sind, haben die Brückenmodelle aber bereits verloren. Die Einsteiger-SLRs werden immer handlicher und leichter und wiegen in der Regel ohne Objektive 600 bis 800 Gramm. Damit liegen die Einsteiger-SLRs im und unter dem Gewichtsbereich der hier angeführten Bridge-Modelle. Bei diesen reicht das Leergewicht von 650 bis 900 Gramm. Die DSC-R1 ist dabei die schwerste Kompaktkamera. Alle anderen sind vergleichbar mit der Spiegelreflexkonkurrenz. Allerdings ändert sich diese Tatsache, wenn bei den SLRs noch weitere Objektive zu dem Standardobjektiv, sowie Blitzgeräte und sonstige Komponenten hinzukommen. Dann muss man als SLR-Fotograf wesentlich mehr Gewicht durch die Gegend schleppen.

Ein weiterer Vorteil der Bridge-Kameras ist in der Regel das Display, das an Stelle eines optischen Suchers zum Anvisieren der Motive dient. Das Display ergänzt den elektronischen Sucher. Zwar erzeugt  das optische Spiegelreflexsuchersystem ein klareres, helleres und vor allem ruckelfreies Sucherbild. Aber außer der Lumix DMC-L1 von Panasonic sowie der baugleichen Digilux 3 von Leica bietet keine SLR einen dauerhaften Live-View-Modus, mit dem man das anvisierte Motiv über den Monitor betrachten und kontrollieren kann. Dies ist ein Vorteil der Kompaktkameraklasse. Der Monitor ist jedoch ein großer Energieverbraucher. Aber ein Display als Sucherersatz bietet auch die Vorteile, dass man Informationen und eventuell auftretende Probleme bei der Belichtung, Kontrastumfang oder Weißabgleich sofort erkennen und korrigieren kann. Dies ist bei den SLRs erst nach der Aufnahme möglich. Zur Problembeseitigung muss dann erneut ein Foto aufgenommen werden.

Die meisten Kompaktkameras verfügen im Gegensatz zu den SLR-Modellen zudem über einen Videomodus, mit dem sich längere Filme aufzeichnen lassen.

Aktuelle Trends

Bridge-Kameras verschmelzen immer mehr mit anderen Modellklassen, vor allem mit der Klasse der Superzoomkameras. Durch die technische Weiterentwicklung bieten die Superzooms mit 8fach- oder 12fach-Zoom mittlerweile auch über eine hohe Auflösung mit guter Bildqualität. Preislich nehmen sich SLRs und hochwertige Kompaktmodelle nicht mehr viel – zumindest wenn man nur das Gehäuse sowie ein Bundle-Standardobjektiv als Vergleich nimmt. Im Gegenteil: Teilweise sind die Bridge-Modelle bereits teurer. Die Preise für SLR-Einsteigermodelle inklusive einem Standardobjektiv liegen mittlerweile bei 650 bis 800 Euro. Die Kompaktkameras Cyber-shot DSC-R1 von Sony kostet 950 Euro, die Samsung Pro 815 ist für 800 Euro zu haben, Panasonic verlangt 680 Euro für seine Lumix DMC-FZ50 und Fuji will für die FinePix S9600 580 Euro haben. Bedenkt man jedoch, dass man für eine Spiegelreflexkamera der Einsteigerklasse mindestens noch ein zweites Objektiv kaufen sollte, ändern sich die Preisrelationen.  Aber nur dann, wenn man eine Bridge-Kamera mit einer seinen Bedürfnissen angepasste Brennweite als Alternative hat. Denn wenn man sich Vorsatzlinsen kaufen muss, die die Brennweite im Weitwinkel- oder Telebereich erweitern, muss man sehr tief in die Tasche greifen. So kostet beispielsweise der Adapters VAD-RA 85 Euro, mit dem man an der DSC-R1 ein Weitwinkel- oder ein Televorsatz anbringen kann. Der Weitwinkelvorsatz kostet nochmals 400 Euro und der Televorsatz schlägt ebenfalls mit 400 Euro zu Buche, wobei der die Brennweite auf bis zu 200 Millimeter verlängert.

Fuji Finepix S9600

Die Kompaktkamera Finepix S9600 verfügt über eine umgerechnete Brennweite von 28 bis 300 Millimeter. Damit ist die Fuji-Kamera gut ausgerüstet. Besonders im Telebereich wäre eine längere Brennweite als 300 Millimeter in der Regel nur noch mit Stativ oder Bildstabilisator zu nutzen, ohne die Gefahr von Verwacklungsunschärfe stark zu erhöhen. Die S9600 hat keinen Bildstabilisator. Die Finepix erlaubt bei kürzester Brennweite eine Blendenöffnung von f2,8, bei längster Brennweite sinkt die Lichtstärke auf f4,9 ab. Die Kamera ermöglicht die Verwendung von Empfindlichkeiten zwischen ISO 80 und ISO 1600. 2,0 Zoll misst der Monitor und weist eine gute Auflösung von 235 000 Pixel auf. Das Display lässt sich drehen und erleichtert somit die Handhabung der Kamera in ungünstigen Aufnahmesituationen wie das Fotografieren über Kopf oder direkt über den Boden. Videoaufzeichnungen sind mit bis zu 640 x 480 Pixel und 30 Bilder pro Sekunde möglich.

Panasonic DMC-FZ50

Einen großen umgerechneten Brennweitenbereich von 35 bis 420 Millimeter bietet die Lumix DMC-FZ50. Die Lichtstärke des Objektivs sinkt von f2,8 bei kürzester Brennweite auf nur f3,7 bei längster ab. Damit besitzt die DMC-FZ50 über das Lichtstärkste Objektiv hier im Vergleich. Zudem beherbergt das Panasonic-Modell als einzige Kamera im Vergleich einen Bildstabilisator, der bei Lichtschwachen Aufnahmesituationen den Einsatz eines Stativs herauszögert. Dieser macht sich auch bei den längeren Brennweiten positiv bemerkbar. Die FZ50 verfügt über einen Empfindlichkeitsbereich von ISO 100 bis ISO 1600. Das Display misst 2,0 Zoll, ist ausklappbar und löst mit 207 000 Pixel auf. Videos lassen sich mit bis zu 30 Bildern pro Sekunde im Breitbildformat 848 x 480 aufzeichnen.

Samsung Pro 815

Brennweitenkönig bei den hier vorgestellten Bridge-Kameras ist die Samsung Pro 815. Das Zoom der Kamera deckt einen Bereich von umgerechneten 28 bis 420 Millimeter ab. Die Lichtstärke des Objektiv fällt jedoch von guten f2,2 auf etwas Lichtschwache 4,6 ab. Die Samsung hat aber hier im Vergleich auch eine sehr große Schwäche: Es lassen sich nur Werte zwischen ISO 50 und ISO 400 einstellen. Das Limitieren der ISO-Werte bei Digitalkameras ist oft ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Kamera ein Problemhaften Rauschverhalten hat.Dies zeigt sich auch bei der Pro 815 in Tests. Die Kamera produziert bei ISO 400 Rauschwerte, die die anderen drei Bridge-Kameras erst in den höchsten ISO-Empfindlichkeiten erreichen. Ausnahme ist die R1, die bei ISO 3200 das Rauschverhalten der Pro 815 bei ISO 400 etwas übersteigt. Samsung reduziert das Rauschverhalten bei der Kamera also mit der Limitierung der ISO-Werte. Überdimensional ist dagegen das Display: 3,5 Zoll mist der Monitor, der mit 235 000 Pixel auflöst. Da lassen sich aufgenommene Bilder gut betrachten und bewerten. Das farbige Statusdisplay auf der Kameraoberseite kann ebenfalls als zweites Display dienen, wobei dieses noch mit 115 000 Pixel auflöst. Videos zeichnet die Samsung mit einer maximalen Auflösung von 640 x 480 sowie mit 25 Bildern pro Sekunde auf.

Sony Cyber-shot DSC-R1

Die schwerste Kamera im Vergleich ist auch gleichzeitig die mit dem geringsten Brennweitenumfang. Die Cyber-shot verfügt über eine Brennweite von 24 bis 120 Millimeter und somit hier das beste Weitwinkelzoomobjektiv. Als einzige Bridge-Kamera in diesem Vergleich besitzt die R1 von Sony einen CMOS-Sensor, dessen Größe fast an das APS-C-Format der meisten D-SLRs abdeckt.  Dadurch können die 10 Millionen Pixel besonders viel Licht aufnehmen und erlauben so, dass eine hohe Empfindlichkeit bis zu 3200 ISO anzuwählen ist. Bis ISO 800 produziert die Sony sehr geringe Farb- und Helligkeitsrauschen, die erst ab ISO 800 deutlich ansteigen. Dafür bietet die R1 einen weiteren Vorteil, der mit dem großen Sensor zusammenhängt. Ein größerer Sensor erlaubt mehr Gestaltunkspielraum mit der variablen Schärfentiefe. Hier ist die R1 gegenüber den anderen Bridge-Kameras im Vorteil. Der 2,0-Zoll-Monitor weist eine etwas niedrige Auflösung von 134 000 Pixel auf und eine Videoaufzeichnungsfunktion fehlt der von vielen als Kultkamera bezeichneten DSC-R1. dafür sitzt das Display auf der Kameraoberseite und lässt sich etwa um 90 Grad aufklappen und um 270 Grad drehen.

Fazit

Wer eine Digitalkamera mit guter Bildqualität und Ausstattung haben will, sich jedoch nicht mit den umfangreichen SLR-Komponenten belasten will, ist mit einer Bridge-Kamera gut beraten. Jede Kamera bietet unterschiedliche Charakteristika und Leistungen. So ist die Fuji Finepix S9600 eine günstige Bridge-Kamera mit gut ausgestatteter Brennweite. Universell einsetzbar ist sie nicht nur durch das ausklappbare Display auf der Kamerarückseite. Die Panasonic Lumix DMC-FZ50 bietet einen großen Zoombereich inklusive eines optischen Bildstabilisators sowie ein lichtstarkes Objektiv. Das Display ist ausklappbar. Die Samsung Pro 815 beherbergt eine sehr gute Ausstattung, einen großen Zoombereich sowie einen schnellen Serienbildmodus – allerdings bei abgedunkeltem Sucherbild. Die Kamera rauscht jedoch stark und hat einen eingeschränkten Empfindlichkeitsbereich, was die Nutzung einschränkt. Sony hat mit der Cyber-shot DSC-R1 eine Kultfähige Bridge-Kamera kreiert, die mit einem guten Weitwinkelobjektiv ausgestattet ist. Das Zoomobjektiv verfügt jedoch nur über einen begrenzten Brennweitenbereich. Dafür bietet sie einen großen CMOS-Sensor, der ähnlich Schärfentiefevariationen bietet wie bei einer SLR.

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