Spieglein, Spieglein an der Wand

Die digitalen Spiegelreflexkameras waren die Stars der Photokina 2006. Die dSLRs haben sich vom teuren Arbeitsgerät der Profis abgekoppelt und sind nun auch für den so genannten Ottonormalverbraucher erschwinglich.

Ein günstiges Einsteigermodell gibt es schon für rund 700 Euro. Während sich in Deutschland schon die ersten leichten Bremsspuren im Ultrakompaktmarkt zeigen, ist dieses Marktsegment momentan sogar so attraktiv geworden, dass sich neben den bekannten Kameraherstellern Canon, Nikon, Fuji, Olympus und Pentax sowie Leica und Sigma auch neue Mitspieler aufstellen. Zu nennen sind hier Sony, Panasonic und Samsung.

Sensor-Trends

Lag das Auflösungsvermögen der SLR-Sensoren zur vorletzten Photokina 2004 in der Regel noch zwischen 6 und 8,2 Megapixel, haben die Kamerahersteller in diesem Jahr mehr zu bieten, wenn man die im  Zeitraum zwischen Juli und November 2006 auf den Markt gekommenen Modelle betrachtet. Nikons D80 und D 2Xs, Canons EOS 400D, das Pentax-Modell K10D, die fast zur K10D baugleiche GX-10 von Samsung und die Olympus E-400 sowie die alpha100 von Sony verfügen über 10-Megapixel-Sensoren. Davon hebt sich die D 2Xs von Nikon ab, die mit 12,4 Megapixel aufwartet. Einen Sensor mit 7,5 Megapixel beherbergen die beiden fast identischen Modelle Panasonic DMC-L1 und Leica Digilux 3. Am unteren Ende der Auflösungsskala befinden sich die K100D und K110D von Pentax sowie die Nikon D40, die über 6,1 Megapixel verfügen. Der CCD-Sensor dominiert bei den hier angeführten Kameras. Eine Ausnahme macht die Sigma SD14, die einen Foveon-Sensor mit 14 Megapixel beherbergt. Aber dazu etwas mehr weiter unten.

Auf die Kombination kommt es an

Man sollte sich nicht von den reinen Auflösungszahlen blenden lassen. Auch wenn sich eine „10“ auf dem Verpackungskarton gut macht. Die Bildqualität einer Kamera hängt nur zum Teil an der Sensor-Auflösung. Weitere Faktoren sind beispielsweise die Sensor-Größe, das verwendete Objektiv sowie die interne Bildverarbeitung der Digitalkamera. Während man bei einer Kompaktkamera sich das Objektiv nicht extra aussuchen kann, ist diese Wahlmöglichkeit ein Kennzeichen der SLR-Kamera. Es liegt also in der Hand des Fotografen, welche Qualität die eingesetzte Linsengruppe hat. Es kommt aber auch auf die Größe an – auf die Größe des Sensors. Eine hohe Auflösung mit kleinen Sensoren bedingt den Einsatz kleinerer lichtempfindlicher Zellen, für die das Ausgangssignal verstärkt werden muss. Und dies erhöht das Rauschverhalten des Sensors, das durch die interne Bildverarbeitung wieder ausgeglichen werden muss beziehungsweise werden sollte. In letzter Zeit wurde die interne Bildverarbeitung bei fast allen Herstellern besser. Das Rauschverhalten ist bei niedrigen Empfindlichkeiten in der Regel gut. Was die neuen Modelle leisten, müssen sie jedoch noch in Tests beweisen.

Sonderfall Foveon

Eine Sonderstellung nimmt die Spiegelreflexkamera von Sigma ein. Die bisherigen SD-Modelle hatten genau wie die aktuelle SD14 einen Foveon-Chip eingebaut, der die Grundfarben nicht anhand von drei Pixeln erkennt, sondern dafür nur ein Pixel benötigt. Die Farbe wird hierbei an der unterschiedlichen Eindringtiefe ermittelt. Damit kann die Kamera auch mit einer relativ geringen Pixelanzahl hoch aufgelöste Bilder ohne Farbaktefakte erzeugen. Auch das zur Photokina 2006 veröffentlichte Modell SD14 verfügt über diese Sensor-Technik.  Und Sie hat eine bedeutend höhere Auflösung als das Vorgängermodell SD10 mit 3,4 Megapixel zu bieten. Die SD14 verfügt über 14 Megapixel, die man wie gesagt, nicht mit der Auflösung eines CCD-Sensors direkt vergleichen kann.

Bleib sauber

Ein weiterer Trend ist das automatische Reinigen des Sensors. Fotografen, die länger mit einer digitalen Spiegelreflexkamera arbeiten, kennen das Verschmutzungsproblem mit Sicherheit. Wieso und in welchem Umfang sich feine Staubpartikel auf der Sensoroberfläche ablagern, wird in diversen Foren unterschiedlich diskutiert. Fakt ist jedoch, dass sich Fotografen entweder eiserne Nerven oder ein regelmäßiges Reinigungsverhalten aneignen mussten. Innerhalb kürzester Zeit sind in den Bildern – bevorzugt bei Flächen mit heller, ebenmäßiger Struktur wie Himmel oder weißen Wänden – unterschiedlich große, dunkle Flecken zu erkennen. Häufiges Objektivwechseln verstärkt diese Problematik zusätzlich. Die feinen Staubpartikel musste man bisher mit einem kleinen Blasebalg oder speziellen Putzvorrichtungen zu Leibe rücken. Nachdem Olympus bereits im Jahr 2003 der E-1 einen Staubfilter spendiert hat, ziehen andere Hersteller nun mit speziellen Reinigungstechniken nach. Sonys alpha100 besitz einen Sensor, der mit einer antistatischen Beschichtung überzogen ist. Eine durchsichtige Indium-Zinnoxyd-Schicht leitet die im Betrieb produzierte elektrische Ladung ab und soll Sony zufolge so verhindern, dass Staubpartikel auf dem Sensor landen und haften bleiben. Eine ähnliche Technik setzt Pentax bei der K10D ein. Jedoch verzichtet Pentax auf eine antistatische Beschichtung und verwendet stattdessen eine Fluor-Verbindung. Da die GX-10 von Samsung fast baugleich mit der Pentax K10D ist, verfügt sie über die gleiche Technik. Olympus bekämpft die lästigen Schmutzpartikel in der E-400 mit einem anderen Mittel. Ein „Supersonic Wave Filter“ wird beim Einschalten der Kamera in Ultraschallschwingungen versetzt, wodurch sich die Staubteilchen vom Filter absetzen und via Klebestreifen fixiert werden sollen. Auch Canons EOS 400D verfügt über eine Reinigungstechnik. Hier ist der Sensor ebenfalls antistatisch beschichtet. Beim Ein- und Ausschalten der Kamera aktiviert sich das Integrated Cleaning System automatisch und der anhaftende Staub soll durch Piezo-Elemente abgeschüttelt und durch eine klebende Schicht gebunden werden. Dieser Vorgang kann beim Einschalten durch die Betätigung des Auslösers unterbrochen werden. Der Säuberungsvorgang beim Ausschalten soll verhindern, dass sich die Fremdkörper bei einer längeren Lagerung der Kamera nicht mit Hilfe der Luftfeuchtigkeit klebend auf dem Sensor verweilen und immun gegen die Schütteltechnik beim Widereinsatz sind. Zusätzlich erkennt die Kamera bei Aufnahmen von unstrukturierten Flächen Staubpartikel auf dem Sensor, deren Position sie in den Metadaten der Bilder speichert. Anschließen lassen sich die Flecken mit der Software Digital Photo Professional herausretuschieren. Die Digilux 3 und DMC-L1 von Leica respektive Panasonic unterscheiden sich offensichtlich nur durch das beigelegte Zubehör. So kommt die Digilux 3 mit einer 1-Gigabyte-Speicherkarte sowie diversen Software-Programmen. Daher haben beide Modellausgaben einen „Supersonic Wave Filter“, der ähnlich arbeitet, wie der der E-400 von Olympus. Etwas anders schützt sich die Sigma vor einer Sensorverschmutzung. Die SD14 hat einen aus- und einbaubaren Staubschutz direkt an der Objektivöffnung. Einer aktive Reinigungseinrichtung ist also nicht vorhanden.

Variable Brennweite

Der Kampf um die Kunden wird durch mehrere Faktoren beeinflusst. Doch bei vielen Fotografen ist in erster Linie interessant, ob sich die bereits zuvor gekauften Objektive weiterhin mit der neuen digitalen Kamera verwenden lassen. Die Tatsache, dass Objektive im Vergleich zum SLR-Body meistens die teureren Anschaffungsobjekte sind, bindet einmal gewonnene Kunden länger an eine Kameramarke. Dies gilt zum einen für die Profis, aber noch mehr für die nun von den Herstellern anvisierten Semiprofessionellen und SLR-Einsteigern. Auch die drei neu auf dem Markt der digitalen Spiegelreflexkameras erschienen Unternehmen greifen unter anderem aus diesem Grund auf bereits vorhandene Technik und somit auf im Markt befindliche Objektive zurück. Samsung koppelt sich an die Pentax-Produkte, Panasonic an die Leica-Objektive und Sony an die von Minolta.

Komplette Neueinsteiger sollten beim Kauf eines Kameragehäuses sowie der Objektive aber auch auf die so genannte Brennweitenverlängerung Rücksicht nehmen. Die durch die Sensorgröße bedingte Brennweitenverlängerung verschiebt das Brennweitenspektrum der Objektive in den Telebereich. Was auf den ersten Blick als ein Glücksfall erscheint – immerhin wird aus einem 300-Millimeter-Zoom bei einer Brennweitenverlängerung von 1,6 eines mit maximal 480 Millimetern – offenbart beim zweiten Blick auch Nachteile: Ein Weitwinkelobjektiv mit 33 Millimetern Brennweite wird durch den Verlängerungsfaktor von 1,6 fast zu einem Normalobjektiv mit 53 Millimetern. Sieht man sich die im Zeitraum zwischen Juli und November 2006 herausgekommenen SLRs an, zeigt sich, dass die geringste Brennweitenverlängerung 1,5 und die größte 2,0 ist. Die Mehrheit weist jedoch den Faktor 1,5 auf. Die Sigma SD 14 verfügt über einen Faktor von 1,7. Die drei Ausreißer Panasonic Lumix DMC-L1, die zur Lumix beinahe baugleiche Leica Digilux 3 sowie die Olympus E-400 besitzen einen Verlängerungsfaktor von 2,0. Aber es gibt Fälle, da hat der Kunde zuerst gar nicht die Wahl: So verkauft Nikon sein Einsteigermodell D40 bisher nur im Kit mit dem Zoomobjektiv AF-S DX Zoom-Nikkor 18-55 mm/3,5-5,6 G ED II.

Bildstabilisatoren inklusive

Praxiserfahrungen zeigen, dass sich Aufnahmen mit einer Brennweite bis zu 300 Millimetern (inklusiv der Brennweitenverlängerung) bei gutem Licht in der Regel gerade noch Verwackelungsfrei aus der Hand schießen lassen. Findet man nicht mehr ideale Lichtverhältnisse vor, stößt man schneller an die Grenzen der eigenen Motorik. Und dies nicht nur beim Einsatz von Zoom- oder Teleobjektiven. Den Trend, dass die Hersteller bei digitalen Ultrakompaktkameras respektive Kampaktkameras vermehrt diverse Bildstabilisatortechniken verwenden, findet man begrenzt auch bei den Spiegelreflexkameras dieser Saison. Haben beispielsweise Canon und Nikon bereits einige Jahre lang Objektive mit einem Bildstabilisator im Programm, ziehen nun Hersteller wie Pentax nach. Jedoch setzen nicht alle Produzenten den Bildstabilisator ins Objektiv wie Canon, Nikon oder Panasonic. Neben dem Unternehmen Sony, das die Technik der Dynax-Modelle von Konica Minolta übernommen hat, integriert auch Pentax den willkommenen Helfer direkt in das Kameragehäuse. Beide Modelle verwenden bewegliche Sensoren, um ungewolltes Zittern auszugleichen. So erlauben die alpha100 von Sony beziehungsweise die K10D und K100D von Pentax, dass man auch mit älteren Objektiven in den Genuss dieser Technik kommt. Und dies unabhängig von der Menge an benötigten Objektiven. Dies schont in ganz beträchtlichem Ausmaße den Geldbeutel des Fotografen. Für ein günstiges Zoomobjektiv mit Bildstabilisator zahlt man bei Canon beispielsweise um die 1500 Euro. Bildstabilisatoren, die in den Objektiven arbeiten, haben jedoch den Ruf, dass sie besser arbeiten sollen. Ob dies stimmt, müssen spezielle Tests aufzeigen.

Ausblick

Wer immer noch gezögert hat, den Einstieg in die digitale SLR-Welt zu wagen, kann heute getrost zuschlagen. Die Ausstattung, Bildqualität und der Preis haben zurzeit ein Niveau erreicht, mit dem man arbeiten und Spaß haben kann. Zwar wird die Technik auch hier nicht stehen bleiben und somit dürften künftig SLR-Kameras herauskommen, die über eine höhere Sensorauflösung verfügen sowie zusätzliche Optionen bieten. Aber Digitalkameras haben heute einen schnelleren Verfallswert als die analogen Gegenstücke.

Interessiert man sich für eine SLR aus dem Hause Fuji, kann sich jedoch etwas Geduld auszahlen. Anfang des Jahres 2007 will Fuji den Nachfolger der FinePix S3 Pro herausbringen. Die S5 Pro – Fuji vermeidet traditionell die in Japan als Unglückszahl geltende 4 – beherbergt einen 12-Megapixelsensor der SuperCCD-SR-Pro-Reihe und weist eine Brennweitenverlängerung von 1,5 auf. Der Sensor wird ergänzt durch die so genannten Real-Photo-Technologie, die den Dynamikumfang  sowie die Farbqualität steigern soll. Die Fuji basiert auf einem Nikon-Gehäuse, sodass man auf den Objektivfundus von Nikon beziehungsweise Nikonkompatiblen Objektiven zurückgreifen kann.

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